Geschichte des Ortes Eiserfey

Politische Geschichte des Ortes

von Willi Brüll (†)

In Orten mit Burgen oder Klöstern bestimmten meist die Burgherren oder Abte Entwicklung und Geschichte, und dort, wie z. B. in Münstereifel, lässt sich die Ortsge­schichte oft aus umfangreichen Urkundensammlungen ablesen. Eiserfey hat im Laufe der Geschichte viele Grundherren gehabt, die über Besitztümer oder Rechte in unserem Dorf verfügten oder sich auch nahmen. Es wurden Forderungen erhoben, Verträge geschlossen, Besitztümer getauscht, geteilt, verschenkt, Rechtsstreitigkeiten ausgefochten. Die schriftlichen Quellen zu diesen Vorgängen sind teils verschollen, teils weit verstreut in Archiven. Wir können uns in unserer Darstellung nur auf die Quellen beziehen, zu denen Geschichtsforscher oder wir selbst Zugang fanden. Unsere Darstellung der Ortsgeschichte muss daher lückenhaft bleiben. Auch würde schon eine ausführliche Darstellung aller uns bekannten Dokumente den Rahmen dieser Schrift sprengen.

Die Geschichte des Ortes beginnt mit seiner Nennung in der Urkunde von 867. Zu dieser Zeit gehörte unser Gebiet zum Eifelgau des Mittelfränkischen Reiches. König war Lothar II., Gaugraf der in der Urkunde erwähnte Matfried. Die eigentlich als Verwaltungsbeamte des Königs bestellten Gaugrafen betrachteten mit der Zeit ihre Grafschaften mit Land, Häusern und Wasserrechten zunehmend als persönlichen Besitz. Viele Adelige in der Eifel schafften sich daneben ihre kleinen Herrschaftsbereiche. Auch die Klöster, wie Prüm, Steinfeld und Münstereifel, erwarben weitverstreute Besitztümer, so auch in Eiserfey.

Im Hochmittelalter wurde der Kurfürst und Erzbischof von Köln Landesherr des Ortes. Verwaltungsbezirk war das Amt Hardt, dessen Berggericht in Eiserfey eingerichtet wurde. Bis zur Franzosenzeit blieb Eiserfey bei Kurköln, wobei außer dem Kurfürst auch noch mehrere weltliche Herren und Klöster Besitz und Rechte in Eiserfey hatten.

Im Oktober 1794 rückten französische Revolutionstruppen ins Rheinland ein. Die mittelalterlichen Herrschaftsstrukturen fielen wie ein Kartenhaus zusammen. Adel und Kurfürst flohen ins unbesetzte rechtsrheinische Gebiet. Klöster und Kirchen wurden enteignet. In den folgenden zwanzig Jahren gehörte das linksrheinische Gebiet zum französischen Reich Napoleons. Napoleon ließ Bevölkerung und Gewerbebetriebe genau erfassen. Die Verwaltungsbezirke wurden neu geordnet. Die Gemeinden Weyer, Eiserfey, Vollem, Zingsheim und Kallmuth wurden der »Mairie de Weyer« (Bürgermeisterei) mit Verwaltungssitz in Eiserfey zugeordnet. Die 1803 im Auftrag von Napoleon von Oberst Jean Tranchot erstellte Landkartenaufnahme der Rheinlande, die erhalten ist, vermittelt uns ein recht genaues Bild von der Besiedlung, der Landschaft und dem Wegenetz der damaligen Zeit.

Der Wegfall der Zollgrenzen nach Westen und die wegen der kriegerischen Zeiten hohe Nachfrage nach Eisen und Blei eröffnete neue Absatzmärkte für die Erzeugnisse der Eisengruben, Hammerwerke sowie der Bleibergwerke. Im Bleibergwerk Mechernich waren damals schon 2000 Menschen beschäftigt, und die Eisenbergwerke, Hütten und Hammerwerke in Eiserfey brachten vielen Menschen Arbeit und guten Lohn. Die arbeitende Bevölkerung war zufrieden, während die Bauern über die schlechte Absatzlage, die hohen Steuern und die hohen Löhne für ihre Tagelöhner klagten.

Nach Napoleons Niederlage kam 1815 das Rheinland zu Preußen. Eiserfey blieb selbständige Gemeinde im neuen Kreis Gemünd (später 1829 Schleiden), Regierungsbezirk Aachen, genau wie die benachbarten Gemeinden Vollem und Weyer. Dreimühlen war verwaltungsmäßig Eiserfey zugeordnet, obwohl es kirchlich bis heute zur Pfarre Weyer und nicht zur Filialgemeinde Eiserfey gehört. Die Zugehörigkeit von Dreimühlen zur früheren Gemeinde Eiserfey belegen einige Akten: 1801 wurden in einer Bevölkerungsliste die Einwohner von Dreimühlen bei Eiserfey mit erfaßt; 1830 wird in einer Bergwerkskonzession das Gelände bei den heutigen Siedlungen Breuer und Heinen in Dreimühlen als in der Gemeinde Eiserfey liegend bezeichnet. Wir können daher zu Recht den Ort Dreimühlen in unsere Ortsgeschichte mit einbeziehen.

1815 setzte die preußische Regierung hier Beamte aus den alten preußischen Provinzen ein. Die Bevölkerung nahm daran Anstoß und fühlte sich bevormundet. Obwohl die Regierung in den folgenden Notjahren mit wirtschaftlichem Rückgang und Missernten die Menschen in der Eifel, dem »preußischen Sibirien«, unterstützte, sehnten sich viele insgeheim nach den goldenen Zeiten unter französischer Herrschaft zurück.

Bild zeigt: Haus Latz, ehemals Wohnung der Eisenfabrikantenfamilie Latz und bis 1848 Bürgermeisterei

Der Ruf nach mehr Demokratie und Freiheit fand im Revolutionsjahr 1848 auch hier offene Ohren. Aus diesem Jahr berichteten Augenzeugen: Ein Soldat der Kölner Garnison kehrte zu später Abendstunde in sein stilles Heimatdorf Weyer zurück, die Freiheit zu verkünden und seine Landsleute für die neue Idee zu begeistern. Noch in derselben Nacht, es war eine gewitterschwangere Sommernacht, wurde von einem Hornist zum Sammeln geblasen. Die Männer strömten zusammen. Die Verkündigung der Freiheit wurde von einem großen Teil der Einwohnerschaft, die mit der Gemeindeverwaltung höchst unzufrieden war, mit großer Begeisterung aufgenommen. Es wurde beschlossen, das Amt zu Eiserfey zu stürmen. Mit den Freiheitsabzeichen geschmückt, zogen 30 bis 40 Mann unter Donner und Blitz mit einem Fuhrwerk gegen Eiserfey, die Verwaltung zu stürzen. Der Amtmann und sein Sekretär, die von dem Aufstand frühzeitig Kunde erhalten hatten, ergriffen die Flucht. Der Amtmann floh sogar aus dem Vaterland, der Sekretär hielt sich in der Gegend versteckt. Infolgedessen hatten die Erstürmer leichtes Spiel. Sie sprengten die Tore und Türen, packten die Akten und Bücher und das ganze Mobilar bis zum Sand- und Tintenfaß zusammen, luden alles auf den Karren und fuhren nach Weyer zurück. Von dort wurden die Sachen nicht mehr nach Eiserfey zurückgebracht.

Dieses Ereignis hatte zur Folge, daß die Amtsverwaltung nach Zingsheim verlegt wurde. Auch, weil Bürgermeister Schruff aus Zingsheim, wie berichtet wird, ins Ausland geflüchtet war, gab es Neuwahlen. Zum Ortsvorsteher von Eiserfey (1848 – 1872) und zum Schöffen wurde Hubert Hamacher, Müller aus Dreimühlen, gewählt.

Zwei Jahre später, 1850, vereinigten sich die Einzelgemeinden Weyer, Eiserfey und Vollem-Urfey zu einer Gemeinde, so daß von diesem Jahr an die Bürgermeisterei (Gesamtgemeinde) aus den Einzelgemeinden Zingsheim, Weyer und Kallmuth bestand, mit dem Verwaltungssitz Zingsheim. Seit der kommunalen Neugliederung (1969) gehört Eiserfey zur Gemeinde/Stadt Mechernich.

Die Eiserfeyer haben mehrfach versucht, wenigstens in Teilbereichen eine gewisse Eigenständigkeit zu erhalten: 1731 bauten sie eine Kapelle und eine Wohnung für einen Geistlichen. 1748 wird erstmals ein Geistlicher als Rektor in Eiserfey erwähnt. Ihre Verstorbenen mußten die Eiserfeyer noch lange danach auf dem Friedhof in Weyer beerdigen lassen. Erst 1874 wurde ein Kirchhof in Eiserfey eingerichtet. Bis 1914 blieb Eiserfey als Rektoratsgemeinde eine Filiale von Weyer. Um eine eigene Schule für ihre Kinder bemühten sich die Eiserfeyer schon 1820, fünf Jahre vor der Einführung der allgemeinen Schulpflicht durch die preußische Regierung. Damals unterrichtete ein gewisser Schneider aus Zingsheim die Kinder in einer sogenannten Winkelschule. Dies wurde ihm jedoch durch die Regierung bald aufs strengste verboten. Bis 1865 mußten die Kinder von Eiserfey die Schule in Weyer besuchen. Danach wurde in einem Privathaus Unterricht gehalten. 1870 wurde die Schule am alten Weg eröffnet, in der bis zur letzten kommunalen Neugliederung die Kinder von Eiserfey unterrichtet wurden.

Eisen und Feybach — Lebensgrundlagen des Ortes

Einen zutreffenderen Ortsnamen als Eiserfey kann man sich nicht vorstellen, da die Eisenvorkommen und ihre Verarbeitung und die Kraft des Feybaches, heute Hauserbach genannt, die Lebensgrundlage der Bewohner durch viele Jahrhunderte bildeten. Die Wasserkraft war dabei die unverzichtbare Voraussetzung auch für die Eisenverhüttung und Verarbeitung. Nicht weniger als 16 Wasserräder drehten sich zwischen Dreimühlen und dem Ortsausgang von Eiserfey im Laufe der Geschichte auf einer Entfernung von noch nicht zwei Kilometern. Der Bach führte, bevor seine Quellen 1976 voll zur Trinkwassergewinnung gefaßt wurden, schon in Dreimühlen täglich sieben Millionen Liter Wasser, in Eiserfey nach zahlreichen unterirdischen Zuflüssen und am Ortsausgang nach der Einmündung des Vollemer Baches noch erheblich mehr. Sehr zutreffend nannten schon die Kelten den Bach »fachina«, die Schnellfließende, hat er doch auf der kurzen Strecke 70 Meter Gefälle, was seine Kraft erheblich verstärkte.