Roteisenerzstollen

Roteisenerzstollen

Abbau von Roteisenstein

Johann W. Mießeler

Der verschlossene, im rückseitigen Bereich des Wohnhauses, ehem. Kürasse, befindliche Stollen hat in den „Ruedeberg“ (Rothen Berg) in östlicher Richtung eine erkennbare Tiefe von ca. 80 Metern und mündet in einer 10 x 10 m großen Höhle. Vermutlich war der Hauptgang ursprünglich noch wesentlich länger, wurde aus Sicherheitsgründen aber zugemauert.

Der Stollen hat vier Gänge. Nach 30 Metern befindet sich auf der linken Seite des Stollens eine zurückverlaufende Höhle mit einer Größe von ca. 15 x 15 m und einer Höhe vom Stollengrund aus von ca. 25 m. Mittig nach oben ist ein Luftschacht erkennbar.
Von dieser Höhle aus verlaufen bergseits in östliche Richtung drei weitere versetzt übereinanderliegende Stollen. Diese Stollen haben eine Größe von ca. 2 x 2 m und münden nach etwa 40 m in der Höhle am Stollenende.
In der Höhle befindet sich ein weiter Luftschacht der „auf Ruedeberg-Kitz“ ans Tageslicht führt.
Die Stollentemperatur beträgt zwischen 8 und 10 Grad Celsius.

Aus dem Stollen wurde Roteisenstein abgebaut und im Ort verhüttet. Der Zeitraum des Abbaues ist uns bis heute nicht genau bekannt. Vermutlich war der Schwerpunkt des Abbaus in der Blütezeit der Eiserfeyer Eisenverhüttung zwischen 1696 und 1850.

Nach einem Zülpicher Weistum soll es bereits um 1250 eine Schmiede oder Eisenhütte im Ort gegeben haben. Die fassbare Eisenproduktion begann in Eiserfey im Jahr 1696 mit der Antragstellung zur Errichtung einer Eisenhütte, dem später sogenannten „Altwerk“, am Ortsausgang nach Vussem.

Diverse Literatur weist auf Roteisensteinfunde in Eiserfey ab dem 13. Jahrhundert hin. Ob dieses Gestein aber im Stollen abgebaut oder oberirdisch gesammelt wurde ist nicht nachgewiesen.

Schlackenfunde deuten darauf hin, dass bereits Kelten und Römer in Eiserfey Eisenerz verhüttet haben. Roteisenstein und Roteisenerz, Hämatit oder Blutstein, auch als Eisenglanz, Specularit bekannt, ist ein sehr häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Oxide (und Hydroxide) mit der Formel Fe2O3 und die häufigste natürlich auftretende Modifikation des Eisen(III)-oxids.

Hämatit entwickelt verschiedene pyramidale, würfelähnliche, rhomboedrische oder tafelige bis säulige Kristallformen, die eine Größe von mehreren Zentimetern erreichen können.
Daneben kommt er aber auch in Form von derben, traubigen und rosettenförmigen bis radialstrahligen Mineral-Aggregaten vor.

Roteisenstein, Roteisenerz dient, wie der Name schon sagt, zur Eisengewinnung, ferner dient Roteisenstein als Schleif- und Poliermaterial, der tonreiche, weiche Roteisenstein als Anstreichfarbe und zur Herstellung der Rotstifte.

Roteisenstein tritt gewöhnlich als Lager oder auf Gängen in sehr verschiedenen vorgenannten Formationen auf.

 

Röntgenfloureszens-Analyse, Labor Westkalk Vereinigte Warsteiner Kalkindustrie GmbH&Co.KG

Auf der östlichen Talseite von Eiserfey verweist heute noch der Name „Ruedeberg” (Rotberg) auf die Eisenerzgruben von Eiserfey.
In der französischen Landesaufnahme von 1803 (Tranchot-Karte) wird der heutige „Weinberg” noch als „Rothen Berg” bezeichnet.

Eiserfey auf Tranchot-Karte von 1803

Ein weiterer Stollen befand sich auf der westlichen Eiserfeyer Seite, gegenüber dem Friedhof am Alten Weg 12, auf Höhe des Wohnhauses.
Nach mündlicher Überlieferung verlief der Stollen bis zur Ortschaft Vollem und hatte drei Gänge. Hier ist heute noch oberhalb des ehem. Hauses Huth ein Einstiegsloch erkennbar.
Dieser Stollen wurde aus Sicherheitsgründen zugemauert und ist heute nicht mehr erkennbar.

Beide Stollen dienten der Eiserfeyer Bevölkerung im 2. Weltkrieg als Schutz vor den Alleierten Bombenangriffen und später auf Grund der niedrigen Temperaturen als Kühlkeller für Getränke bei dörflichen oder familiären Veranstaltungen.

Hauptgang des Stollens in Richtung Mundloch mit seitlicher Abstützungsmauer

Blick in die seitliche Höhle

Blick aus der seitlichen Höhle auf zwei, von drei weiteren Gängen

Luftschacht in der großen Höhle

Entstehungsgeschichte

Vor ca. 400 Millionen Jahren bedeckte das Devonmeer die Eifel für etwa 100 Millionen Jahre.
Es war ein südlich vom Äquator liegendes tropisches Flachmeer.
Nach Absterben der Organismen der hier lebenden Meerestiere mit kalkigen Hartteilen, wie Schnecken, Muscheln, Korallen, Panzerfischen usw. setzten sich diese auf dem Meeresboden ab. Dazu gesellte sich Verwitterungsgeröll, das aus dem angrenzenden nördlichen und südlichen Festland durch Flüsse in das Meer hineingetragen wurde. Weltweite Umweltveränderungen beendeten abrupt diese Kalkbildung.

In den folgenden 70 Millionen Jahren überdeckten ton- und feinsandige Ablagerungen die noch lockeren und losen Kalkablagerungen mit einer Schicht von etwa 2000 Metern. Durch den entstandenen Druck verfestigten sich die Kalksedimente zu Kalkstein. Die hierbei entstandenen Hohlräume
sowie lose Sedimentschichten wurden von eisen- und sauerstoffhaltigem Meerwasser durchspült. Durch pysikalisch-chemische Umwandlungen bildete sich im Laufe der Zeit in den Lücken Roteisenstein. (Fe2O3).


Blick in die dritte Höhle

Vor etwa 280 Millionen Jahren entstand bei der so genannten variszischen Orogenese ein 3000 bis 4000 Meter hohes Gebirge. (bei Orogenese handelt es sich um ist die Gebirgsbildung, bei der variszischen Gebirgsbildung um das Auffalten der Gesteinsschichten durch das aufeinander-driften der alten Kontinente Gondwana und Laurussia).
Durch lange anhaltende Verwitterungsprozesse und Vulkanismus wurden mehrere hundert Meter Sedimentgestein abgetragen, das einstige Hochgebirge zu einem Mittelgebirge verändert und unsere heutige Oberflächengestaltung in ihren Grundzügen herausgebildet.
Zurück blieben die hochgeschobenen Sedimentgesteine, so auch der mitteldevonische Kalkstein mit Rot- /Brauneisenstein-einschlüssen.

Muschelabbildung im Gestein

Quellangaben:
Meyers Konservations-Lexikon, 1888
Tranchot Karte von 1803
Röntgenfloureszens-Analyse, Labor Westkalk Vereinigte Warsteiner Kalkindustrie GmbH&Co.KG
Private Aufzeichnungen Michael Linden, nicht veröffentlicht
Hämatit. Wikipedia 
Peter Neu, Eisenindustrie in der Eifel, Bonn 1989
Eugen Virmond, Geschichte der Eifeler Eisenindustrie, Schleiden 1896

Roteisenstein,; Giesserei-Praxis
Homepage Eiserfey, Aus der Geschichte der Eiserfeyer Eisenhütten und deren Betreiber, A. Velser

Fotos Privat
Mineralatlas Lexikon - Roteisenstein