Travertin auch Eifelmarmor genannt

Travertin auch Eifeler Marmor
Johann W. Mießeler


Travertin gehört zu der Gruppe der Sedimentgesteine und ist ca.100.000 bis 800.000 Jahre alt. Der Name kommt aus dem italienischen travertino abgeleitet und bedeutet „ Stein aus Tivoli“. Travertin ist ein mehr oder weniger poröser Kalkstein, der in verschiedenen Farben (Gelb, Beige, Braun und Rot) vorkommt und aus kalten, warmen oder heißen Süßwasserquellen als Quellkalk chemisch ausgefällt wurde. (Ausscheiden von gelösten Stoffen in Form von Kristallen, Flocken oder Tröpfchen) Dieser Süßwasserkalk besteht fast ausschließlich aus Calciumcarbonat (CaCO³) Travertin ist auf den Kontinenten weit verbreitet. Die Vorkommen sind meist nicht sehr mächtig.
Mit der Kakushöhle bietet sich uns ein gleich vor der Haustür gelegenes, eindrucksvolles und anschauliches Beispiel eines solchen Vorkommens.


Steinbruch unterhalb der Kakushöhle mit Schienenstrang


Travertin wird im Bauwesen als Naturstein und zur Dekoration verwendet.
Dass der Abbau des hiesigen Travertingesteins einmal wirtschaftlich bedeutend werden sollte, war im Jahr 1895 noch nicht abzusehen. Im März 1895 berichtete das
Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden und Umgebung: Über Eifelmarmor ist in der letzten Zeit viel in den Zeitungen berichtet worden,
welcher in den Kreisen Schleiden, Prüm und Daun gefunden worden sei und der die Güte des belgischen Marmor noch übertreffen solle. Proben von Eifelmarmor wurden schon vor 2 Jahren von einem Baubeamten im Kölner Eifelklub gezeigt.


Bauantrag zur Transportbahn von 1929


Damals wurde behauptet der Eifelmarmor gleiche dem Baustoff des neuen Palais in Potsdam. Vom Eifelmarmor sollen Altäre und Taufsteine der alten Klosterkirche zu Steinborn hergestellt worden sein. Es heißt, die königliche. Regierung wolle eine Untersuchung über Bauwürdigkeit veranlassen

Im Jahr 1913 erschloss Everhard Esser, als damaliger Besitzer der Kakushöhle, einen Marmorsteinbruch unterhalb der Kakushöhle im Bereich der Ölmühle in
Eiserfey, den ersten seiner Art in der Eifel, wie im Eifelvereinsblatt vom April 1913 hieß. Auf einer Ausstellung anlässlich des Jubelfestes zum 25-jährigen Bestehen des Eifelvereins in Trier im Mai 1913 wurden bereits kleinere, aus Travertin gefertigte Gegenstände gezeigt. Wie weiter berichtet wurde, fanden die präsentierten
Wanduhren, Schreibzeuge, Briefbeschwerer, Kartenhalter, Löscher usw. die Bewunderung der Ausstellungsbesucher.
Der Bedarf an Travertin wuchs stetig an. Zeugnis davon gaben Futtertröge, vor allem aber Grabsteine und Grabeinfassungen.
Die Kreisverwaltung Schleiden erkannte frühzeitig den drohenden Verlust des einmaligen Gesteins und Kulturgut und kaufte nach schwierigen Verhandlungen
09.04.1913 das Zentrum der Kakushöhle von Everhard Esser. Die von 36.000 Mark auf 20.000 Mark stark reduzierte Kaufsumme konnte nur mit großzügiger
Unterstützung durch Spenden von Privatleuten und Institutionen gezahlt werden. Der Abbau ging dennoch weiter, obwohl die Kakushöhle als „großartiges
Naturdenkmal“ eingestuft wurde und „seine Erhaltung eine Notwendigkeit“ sei. Die starke Landschaftsveränderung stieß auch auf den Widerstand von
Wissenschaftlern, darunter Professor C. Radermacher, der Direktor des Museums für Ur- und Frühgeschichte und Professor Dr. A. Danneberg von der Technischen
Hochschule in Aachen. Er beschreibt in einem geologisches Gutachten, dass die dem Hauptfelsen vorgelagerten Blöcke nur abgestürzte Teile der grossen
Travertinmasse seien und nur alle zusammen das beeindruckende Gesamtbild ergeben würden, aus dem kein Teil ohne Schaden für das Ganze herausgenommen
werden könne. Die gesammelten Erkenntnisse führten dazu, dass zunächst ein Teilbereich der Kakushöhle mit Polizeiverordnung vom 05.04.1927 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.
Diese Verordnung löste bei den wirtschaftlich Betroffenen Unternehmen einen
Sturmlauf der Entrüstung aus. Gerichtlich wurde dagegen vorgegangen da
abgeschlossene Lieferverträge nicht mehr erfüllt werden konnten.
Der Kreis versuchte, nach und nach Grundstücke von den angrenzenden privaten
Grundstückseignern zu erwerben.

Dennoch wurden die nicht unter Naturschutz gestellten Randgebiete weiter ausgebeutet.
Die Firma Gebr. Horst stellte im Januar 1929 gar den Antrag, eine Transportbahn vom Steinbruch bis auf Höhe der Straße nach Dreimühlen zu bauen. Die Bahn war
ca. 90 Meter lang und hatte einen Höhenunterschied von 24 Metern zu überwinden.
Die Transportwagen konnten Steinblöcke von 2 tragen und wurden über Seilantrieb von einem 20 PS starken Motor gezogen. Nach Errichtung der Transportanlage sollten 15 bis 20 Arbeiter beschäftigt werden.


Karte zeigt den Zustand um 1931, die grün umrandeten Grundstücke sind Kreiseigentum und gleichzeitig Naturschutzgebiet. Im Laufe der nachfolgenden Jahre
erwarb der Kreis weitere Grundstücke. 1934 wurden die Grundstücke rechts von der
Straße, von Weyer in Richtung Dreimühlen, „Aale Koansteen“ gekauft.
Derweil wurde der Naturschutz wiederholt ausgedehnt, jedoch in den Folgejahren von den Nationalsozialisten ausgesetzt. Das ermöglichte ihnen den Abbau von
Tausenden Kubikmetern Travertingestein für ihre Prunkbauten zur Glorifizierung der Nazi-Diktatur. In diesem Bericht wird nicht detailliert auf dieses Thema eingegangen.
Hierüber hat der Mechernicher Heimatforscher Peter-Lorenz Könen unter „Eifeler Travertin für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg“ ausführlich berichtet.
In der Eiserfeyer Schulchronik schreibt der Lehrer Alfons Nießen, mit Datum vom 1.11.1938, sehr anschaulich über den Abbau des „ Aale Koansteens“.
Seine Darstellung wird wörtlich in voller Länge zitiert.
Mächtig wuchsen die stolzen Repräsentativbauten in Nürnberg, München, Berlin und anderen deutschen Städten ihrer Vollendung entgegen.
Quader um Quader wird aufeinander gefügt. Es ist deutscher Stein, der an diesen Bauwerken Verwendung findet und zum Teil aus unserer nächsten Nähe stammt.
Travertin auch Eifeler Marmor wird er genannt.
Die Stelle, wo fleißige Hände schon ein Jahr tätig sind, den Stein zu brechen, liegt kaum ein Bogenschuß von unserem Dorf entfernt.
Gegenüber dem Kartstein ( Kakushöhle ) auf der anderen Seite der Straße nach Weyer liegt der Bruder des Kartsteins.
Dicht an der Straße türmt sich der Eiszeitgesteinskegel in etwa 20 bis 30 Meter Höhe. Hier befindet sich der Travertin-Bruch eines Kölner Marmorwerkes, von dem
aus seit Monaten Eifeler Marmor an die erwähnten Bauten geliefert wird.
Leise surren die teils senkrecht, teil schräg und auch horizontal laufenden Seiltransporträder, über die das 420 Meter lange Sägeseil verläuft. Diese Länge wäre
an sich wegen des Sägeeffekts nicht notwendig, doch bei kürzeren Sägeseilen würden zu viele Seile verschleißen, da der Sägeprozess mit Hilfe von feinem
Mechernicher Quarzsand und Wasser den Schneidedraht stark beansprucht. Travertin ist stellenweise nämlich so hart wie der Granit, auf dem er ruht.


Steinbruch am „Aale Koansteen mit Hebekran um 1938

Auch der lange Sägedraht reicht für einen Schnitt nicht aus. Ein solcher Schnitt dauert durchschnittlich zehn bis elf Tage. Dabei wird eine, je nachdem ein bis zwei
Meter dicke Tafel von 100 bis 110 Quadratmeter von dem Felsmassiv abgeschnitten. Vier Seillängen von 420 Meter Länge werden normalerweise hierfür gebraucht.
Der anfänglich 5 Millimeter starke Sägedraht schleißt bis auf mehr als die Hälfte ab. Aus diesem Grunde muß der Sägeschnitt zugegipst werden, damit das beim
Schneideprozess zugesetzte und unerlässliche Sand-Wasser-Gemisch nicht aus der Sägefuge hinausläuft.
Die Härte des Eifeler Marmors beweist die Tatsache, dass der Sägeschnitt stündlich nur 5 Zentimeter beträgt. Ist der Schnitt beendet, dann wird die senkrecht
abgeschnittene Scheibe mit Keilen und Winden sorgsam auf die bereits abgeräumte Seite umgelegt. In besonderen Fällen wird auch ein Moper verwandt, kleine, unscheinbare, etwa 20 Zentimeter hohe und 30 Zentimeter lange Kästchen, hydraulische Pumpen, die 50 bis 100 Tonnen leisten.
Oberhalb und unterhalb der Sägestelle knattern die Preßluftbohrer. Dort, um den auflagernden Abraum zu beseitigen, der jedoch nur flach aufliegt, da, um die
stattliche Scheibe in entsprechende Blöcke zu teilen. Von Januar bis heute wurden etwa 600 Kubikmeter Travertin abgebaut Der vorhandene Rest wird etwa die gleiche Ausbeute ergeben. Unser Travertin enthält wie aller Muschelkalk auch zahlreiche Eindrücke, Einschlüsse bzw. Abdrücke.


Foto zeigt Fritz Esser auf seinem Lanz Bulldog mit Travertinblöcken beladenen Anhängern


Da gibt es Fische, Farn und andere Dinge aus der Eiszeit zu sehen. Hier und da lagern guterhaltene Holzstücke in dem Gestein, das von gelblicher Farbe ist.
Auf der Baustelle ist die Kraftstation in einer Bretterbude untergebracht.
Neben dem Maschinenhaus erheben sich noch verschiedene andere Buden aus
rohem Schalholz, die als Lager für Material und Unterkunft für die 17-köpfige Steinbruchbelegschaft dienen.
Interessant ist auch die Art, wie das Sägeseil straff gehalten wird.
Das geschieht durch ein Lorenuntergestell, auf dem je nach der Tiefe des Schnittes, mehr oder weniger Steinblöcke lagern.
Das ganze läuft auf Schienen und ist verstellbar.
Wuchtig ragen zwei Holzkräne auf, die die Steinriesen sicher von der Höhe herunterführen und auf geeignete Wagen zum Transport per Trecker verladen.
Sie sind durch mächtige Drahttaue verankert und zwar teilweise in Zement und teilweise sind sie um kleinere Geschwister des Hauptsteinmassivs geschlungen.
Das Wasser wird von Dreimühlen aus dem nie versiegenden Hauserbach durch eine oberirdische Rohrleitung gedrückt.
Inzwischen ist man nicht sehr weit von dieser Arbeitsstätte entfernt, bei Pesch, auf ein gutes Travertin vorkommen gestoßen.
Während an der Kakushöhle der Marmorberg 40 bis 50 Meter lang ist, hat man bei Pesch eine Länge von 300 Meter gemessen. Die Tiefe bzw. die Höhe der neuen
Ader wird im Augenblick noch festgestellt.
Der Sägemeister ist ein gebürtiger Vorarlberger. Unter anderem hat er sich auch in Montevideo und in den Kordilleren den Wind um die Nase wehen lassen. 1932
kehrte er heim.
Die Arbeiter sind meistens in den umliegenden Dörfern beheimatet Soweit der Bericht von Herrn Nießen.
Der Abbau wurde 1942/43 eingestellt. Seit dieser Zeit überwuchern einheimische Pflanzen den ehemaligen Steinbruch, so dass man davon fast nichts mehr erkennen
kann.


Ein bearbeiteter Gesteinsquader am Ausgang der Höhle


Einzig und allein ein bearbeiteter, im äußeren Höhlenbereich liegende Quader erinnert an den Travertinabbau vergangener Tage.


Quellen und Literatur
Eifelvereinsblatt April und Mai 1913
Eiserfeyer Schulchronik 1936-1967
Euskirchener Volksblatt, April 1938,
Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden und Umgegend ( Amtliches Kreisblatt ),13.April 1895,
Kreisarchiv Euskirchen SLE I. 198 / 425-426
Kreisarchiv Euskirchen SLE I. 197 / 015 ff

dito SLE I. 198 / 160 ff
dito SLE I. 190 / 227 ff
dito SLE I. 198 / 510
dito SLE I. 195.2 / 049
dito SLE I. 198 / 425-426
dito SLE I. 198 / 510
Stadtarchiv Mechernich
ditto
Gemeindearchiv Nettersheim Lageplan von den Grundstücken am Kartstein, Gemarkung Weyer
dito Eifeler Volkswacht EIFLIA Heimatblätter Nr. 2, 1929
dito div. Schriftverkehr der Gemeinde Weyer mit Kreis Schleiden
dito Gerichtsurteil vom 25.10.1927 KA 6866
dito Schreiben Landrat an Fa. Nobis-Lancier vom .2.12.1937